„Gott nahe zu sein, ist mein Glück!“ (Andacht für Januar)

(Psalm 73, 28)

Die „Jahreslosung“ für 2014. Ein Motto, das Sie ein Jahr lang begleiten soll. Zum neuen Jahr bietet sich gerade DIESES Motto besonders an, schließlich handelt es vom Glück. Und das ist es doch, was Sie sich für das neue Jahr wünschen, oder?

Aber vielleicht widersprechen Sie schon an dieser Stelle. Vielleicht sieht Ihr Leben so aus, dass „Glück“ für Sie eine viel zu hohe Erwartung ist. Sie wären schon ganz froh, wenn Sie einigermaßen durchkämen: Wenn es mit der Krankheit und den Schmerzen nicht schlimmer wird, wenn Sie mit dem bisschen Geld hinkommen, wenn die Streitereien nicht weiter ausufern, wenn sich der trübe Seelenschleier ein bisschen lichtet.

Oder ein anderer Widerspruch: „Glück haben“ heißt nicht automatisch „glücklich sein“! Nehmen wir an, Sie gehen bei Sturm spazieren, ein Dachziegel löst sich – und zerbricht genau neben Ihnen auf dem Bürgersteig. – Glück gehabt! Aber SIND Sie deswegen auch glücklich? Vielleicht macht Sie das tatsächlich glücklich. Aber das ist nicht gesagt. Wenn Sie negativ genug drauf sind, nehmen Sie das gar nicht groß zur Kenntnis. Oder wenn es ganz dicke kommt, flüstert Ihr Zynismus Ihnen gar ein: „Knapp daneben! – Pech gehabt!“

Und noch eine kritische Anfrage: Woher kommt das Glück (im Sinne von „glücklich“)? Sie können ja mal die Leute fragen, die Ihnen für 2014 viel Glück wünschen, was sie denn damit meinen. Manche werden sich da zurückhalten und sagen: „Na ja, dass Deine Wünsche in Erfüllung gehen!“ (Was nicht immer so gut für einen ist, wie es klingt.) Die konkreteren Antworten werden sich wahrscheinlich um folgende Themen drehen: a) Gesundheit; b) gelingende Beziehungen; c) Geld und materieller Wohlstand; d) gelingende Prüfungen und andere Lebensveränderungen.

Ergänzend zu Ihren glückwünschenden Mitmenschen gibt es auch die „Glücksforschung“. Die kennt viele äußere und innere Faktoren, die für Ihr Glück eine Rolle spielen. Aber: „Gottes Nähe“ aus unserem Bibelvers kommt meines Wissens als Glücksfaktor nicht vor. Eher so etwas wie Spiritualität oder Religion. Aber nicht die Nähe Gottes. Vielleicht, weil Gottes Nähe so schwer zu messen ist. Der Zollstock hilft da nicht weiter. Man könnte die Leute allerdings fragen, wie nah oder fern ihnen Gott „gefühlt“ ist. Und dann fragen, wie glücklich sie sind.

Allerdings können wir uns für unsere Jahreslosung diese Befragung sparen. Die Übersetzung oben ist nämlich, sagen wir mal: ungenau. Die Luther-Übersetzung klingt manch einem immerhin vertrauter: „Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte …“ Ist aber nicht viel „richtiger“. Deswegen hier meine Übersetzung, wie sie wörtlicher kaum geht (aber dafür ist sie holpriger):

Und ich – die Annährung Gottes ist für mich gut.

Aha, es geht darum, was GUT für mich ist. Und das ist eben NICHT immer identisch mit Glück. Zur rechten Zeit (!) können tiefe Trauer, heftiger Zorn und manchmal sogar Angst wirklich GUT für Sie sein, ohne dass Sie dabei glücklich sind. Und genau zu solchen Zeiten kann es sogar fatal sein, „glücklich“ zu sein oder jetzt auf Deubel komm raus glücklich sein zu wollen. Manchmal ist die Medizin, die hilft, auch schon mal bitter. Und die süße Glückspille eine Droge. Also bitte: So schön es ist, glücklich zu sein – reden Sie sich nicht ein, dass „Glücklich sein“ IMMER gut für Sie ist!

Dann: ANNÄHERUNG Gottes statt „Nähe“. Wobei offen bleibt, wer sich da wem annähert –ob ich mich Gott annähere oder ob Gott sich mir annähert. Vielleicht finden Sie, dass ich da die Worte auf die Goldwaage lege – Annäherung und Nähe, das ist doch so ziemlich dasselbe. – Nein, ist es nicht! Denken Sie an solche Sätze wie: „Gott ist überall!“ oder „Gott ist immer bei Dir!“ Ich finde das ja nicht ganz falsch, aber das ist auch nicht die ganze Wahrheit. Sonst wäre es ja automatisch meine Macke, wenn Gott mir weit weg erscheint. Sonst wäre es sinnlos, wenn ich Gottes Nähe herbei sehne, suche, erbitte. Sonst wären die besonderen Zeichen seiner Nähe zum Beispiel beim Segen oder beim Abendmahl bedeutungslos, wertlos.

Aber weil Gott mir – zumindest gefühlt – eben NICHT immer gleich nahe ist, deswegen ist die Annäherung Gottes „gut“ für mich. Deswegen tue ich mir etwas Gutes, wenn ich seine Nähe suche, mich Gott zuwende, mich von so manchem abwende, was mich von Gott weg bringt. Und wenn ich Gott um seine Zu-Wendung bitte.

Wenn Sie sich die Mühe machen, den ganzen Psalm 73 zu lesen, dann werden Sie Zeuge, wie sich unser Psalmbeter genau damit etwas Gutes tut, dass er sich Gott zuwendet, seine Nähe sucht: Der Beter erzählt von sich und seiner Enttäuschung von Gott: Ihm selbst ging es schlecht – aber um sich herum sah er lauter bösartige, schlechte Menschen, die sich einen feuchten Kehricht um Gott und seinen Willen kümmerten. Und ausgerechnet diesen schlimmen Leuten ging es an Leib, Seele und auch materiell richtig gut – zumindest in der neidvollen Wahrnehmung unseres Beters.

Bis – ja, bis wann? „Bis ich ging in das Heiligtum Gottes“. Da haben wir sie, die Hinwendung zu Gott. Heute hätte er vielleicht gesagt: „Bis ich in die Kirche gegangen bin.“ Oder eher noch: „Bis ich mich im Gebet an Dich, Gott, gewendet habe.“ Oder: „Bis ich in die Stille gegangen bin.“ Oder: „Bis ich mich zu denen gesellt habe, unter denen Du für mich besonders nahe bist.“ Oder was immer es auch ist, was für jemanden zu einem Ort der besonderen Nähe Gottes wird.

Jedenfalls hat unser Psalmbeter in der Nähe Gottes angefangen, die Dinge mit anderen Augen zu sehen: Das angeblich so tolle Leben der Bösen, es offenbart ihm nun deutliche Schattenseiten, weil er es jetzt mehr im Ganzen betrachtet. Und unser Beter erkennt für sich: Gott allein genügt! Auch wenn es ihm an Manchem oder sogar an allem fehlt:

Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmach­tet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. (Psalm 73, 23-26)

So, und nun stehen Sie an der Schwelle des neuen Jahres. Viele gute Vorsätze bieten sich an. Mein Vorschlag: Lassen Sie es (erstmal) bei einem einzigen bewenden und heften Sie ihn sich an den Spiegel:

(bitte hier ausschneiden)

„Ich möchte in 2014
– ob im Glück oder im Unglück –
Gottes Nähe suchen,
mich an ihn wenden.
Denn: Das ist gut für mich!“

(bitte hier ausschneiden)

Gebet:

Gott, an der Schwelle zum neuen Jahr blicke ich zurück auf das Vergangene …

  • Ich klage Dir, was mir schwer zu ertragen war und ist: (…)
  • Ich danke Dir für manches Gute: (…)
  • Ich sage Dir, wo ich an anderen, an mir selbst, vor Dir schuldig geworden bin: (…)

Um Deinen Segen bitte ich Dich für 2014. Sei Du an meiner Seite und mit Deiner Welt, was immer auch kommen mag! Amen.

Dirk Klute